Dass der
Staat respektive dessen Diener eine unerschöpfliche Phantasie besitzen, wenn es
um die Schaffung neuer Abgabentatbestände geht, ist ein Kernelement des
liberalen Lamentos, und natürlich ist diese Klage nur allzu berechtigt. So hat
es zu verschiedenen Zeiten in Ländern deutscher Zunge einmal eine Jungfern- und dann eine Prostitutionssteuer gegeben, was reichlich inkohärent erscheint und den
Leviathan durchaus als Gargantua der klingenden Münze erscheinen lässt.
Kein
menschliches Bedürfnis ist vor der aufgehaltenen öffentlichen Hand sicher: „Pecunia non olet“ – „Geld stinkt nicht“ – antwortete der römische Kaiser Vespasian
bekanntlich seinem Sohn Titus, als dieser ihm die Anrüchigkeit des von seinem
Vater eingeführten Toiletten-Zwangsobolus vorwarf. Solcher Staatssäckelzynismus
reizte die Franzosen, bei denen laut André Siegfried „eine geheime
Missbilligung […] denjenigen umgibt, der die Steuer bezahlt“ („Une secrète
réprobation entoure en France celui qui paie l’impôt“), zu der urinsauren
Rache, das Pissoir nach dem Imperator des stillen Örtchens als vespasienne zu benennen, auf dass sein
Name, solange das galloromanische Führungsidiom lebendig ist, gleichsam
in die Kanalisation gespült werde.

